snack'n'roll foodtruck
frische burger ausm pott

Burger, Pommes, Currywurst – Die Fastfood Buden und Lokale boomen grade in Deutschland und auch eine mobile Küche wie sie schon seit längerem von amerikanischen Foodtrucks zelebriert wird hat bereits eine große Fangemeinde gefunden. Joschka ist definitiv ein Vorreiter in der Szene und bekennt sich gerne zu seinen Ruhrgebiets-Wurzeln auch wenn es angesagtere Städte als Essen oder Witten gäbe. Ich begleite ihn einen Tag lang im Snack ,n, Roll Foodtruck, blicke in seinen Alltag und spreche mit Ihm über seine Motivation, seinem D.I.Y. Hintergrund und wie sich die Szene entwickeln kann.

 

Breit grinsend werde ich begrüßt, als ich an seiner Garage in Essen ankomme. Es ist Montag morgens und Joschka checkt grade die Bestände, vervollständigt die Einkaufsliste für die kommende Woche – »Für dich hab ich mir heute was besonderes augedacht –Tripple Cheese Bruger!« Hinter dem massiven Rolltor steht ein großer, matt schwarz lackierter US-Lieferwagen, der zum mobilen Restaurant umfunktioniert wurde, sodass der Innenraum nun in Edelstahl verkleidet allen Ansprüchen einer herkömmlichen Küche genügt... Naja, fast. Das größte Problem wenn man unterwegs ist, ist das Wasser.

»Ich hab nurn 40 Liter Tank Wasser und man muss echt sparsam sein, sodass man nicht irgendwann trocken läuft und nicht mehr abwaschen kann. Zwar laufen die meisten Vorbereitungen an der Garage, aber wenn man unterwegs ist und zum Beispiel ,n Catering hat muss man immer n vollen Tank haben, das ist immer die Priorität Nummer eins!«

Nachdem klar ist, welchen Special Burger es diese Woche geben wird – normalerweise lässt der gelernte Koch sich beim Einkauf inspirieren, aber wie zu Beginn erwähnt hat er sich das aktuelle Special schon zurechtgelegt – fahren wir zusammen zum Großmarkt. Ich hatte mir das immer vorgestellt wie eine riese Halle, quasi einem überdachten Wochenmarkt mal zehn, wurde aber schnell dieser Illusion beraubt. Der Essener Großmarkt ist eher ein großes Industriegelände mit mehreren Einzelhändlern für Lebensmittel und ein bis zwei großen Gastronomie Supermärkten.

Erster Stop, Gemüsehändler. Den Salat, sowie Tomaten und restliches Gemüse bezieht Joschka aus einem Familienbetrieb direkt von der holländischen Grenze, alles wird morgens frisch vom Feld oder aus dem Gewächshaus geerntet. Danach gehts in den Supermarkt – oder besser Hypermarkt – alles es größer, ich fühle mich irgendwie geschrumpft. Zielstrebig wandern wir durch die hohen Hallen in die Kühlabteilung, da wir für den Tripple Cheese Burger natürlich auch drei mal Käse brauchen. Parmesan – »Den gibts leider nur am Stück... Dann kannst du mir nachher ja beim Hobeln helfen« –, Cheddar, Frischkäse. Letzterer wird im Truck noch mit Jalapeños verfeinert. Spontan landet auch noch Serano Schinken im Einkaufswagen – dreifach Käse ist Joschka irgendwie nicht genug.

Raus aus dem Großmarkt und auf zur Metzgerei, hier ist alles Bio und aus eigener Produktion. Das Fleisch wird mehrfach gedreht und besteht aus 100% Rind. Heute reicht es für ungefähr 130 Burger, das variiert je nach Standort und kann flexibel von Joschka bestellt werden. Ein Entscheidender Faktor für den Entschluss gegen ein festes Lokal.

»Weil ein Restaurant zu viele Risiken wirkt, wenn man den falschen Standort wählt. Hat man den einmal gewählt, dann steckste in der Scheiße. Wenne mitm Truck den falschen Standort hast, dann fährste weiter zum nächsten – bist viel, viel flexibler.«

Mit dem Bäcker nebenan hat er seine eigenen Brugerbuns kreiert, welche ebenfalls nach Einsatzbedarf geordert werden. Der Bezug seiner Lebensmittel von Lokalen Händlern und Produzenten ist Joschka wichtig. Er hat mehr Kontrolle und Vertrauen in die Waren. Der Kofferraum ist voll und es geht zurück zur Garage.

 

Joschka hat die letzten Jahre in der Meatery in Hamburg als Saucier gearbeitet, wo er vom hauseigenen Metzger gelernt hat, wie man gute Burger herstellt und zubereitet. Aber das war längerfristig nicht das richtige.  »Mich hat angekotzt, dass ich halt immer das machen muss, was einem gesagt wird. Man kann kaum was selber entscheiden. Die Arbeitszeiten gingen mir jetzt nich so aufn Sack, die sind normal als Koch, aber … Das Geld, man arbeitet sich n Arsch wund und verdient kaum was, man muss immer arbeiten wenn die anderen frei haben, Feiertage und sowat is nich und jetzt mach ich mir Feiertage einfach frei. Ich wollte einfach selbstständig sein, das war schon der Traum als ich die Ausbildung gemacht hab.«

Mit dieser Motivation und seiner Leidenschaft zur Musik (er war selbst mal Musiker in einer Hardcore Band) entstand die Idee zum Foodtruck auf einem Konzert. »Mein Motto ist ja Rock'n'Roll! Ich hör immer Rock‘n‘Roll im Truck, auch beim Verkauf. Obs jetzt Metal, Punk, 50s oder Hip Hop ist, Musik muss immer dabei sein, das is halt mein Leben. Und als ich mit zichtausend Leuten vor der Bühne stand und da war niergendwo rundherum wat zu Essen – ich hatte voll hunger und voll durst und es gab nirgendwo Bier – dachte ich mir, wie geil wäre jetzt hier n Foodtruck wie in den USA?!‘ Und dadurch hat sich die Idee zusammengesponnen.«

 

Ich werde direkt mit in die Küchenarbeit eingespannt. Brötchen aufschneiden, Salat waschen, Parmesan hobeln. Joschka stantzt die Burgerpattys in Handarbeit und beginnt damit, den Blaubeer-Thymian-Dip für diesen Monat zuzubereiten. Da es Wochenanfang ist muss alles, was die letze Woche aufgebraucht wurde, neu gemacht werden. Seine Burgersoße, eine abgewandelte Cocktailsoße, anmischen; Salat und Gemüse schneiden, Getränke auffüllen, Pommes aus dem Lager in den Truck bringen. Zwischendurch wird noch das Wochen-Special via Facebook verkündet und den Kunden der heutige Standort nochmal ins Gedächtnis gerufen. 52 Gefällt mir Angaben und Kommentare wie »#foodporn #burgasmus scheiße is dat lecka« oder »Das war der hammer.....<3« oder »Komm mal nach Dinslaken, ich mache auch gut Promo für dich :-)« geben einen kleinen Einblick in seinen Erfolg im Pott. »Ich war in Hamburg und bin wegen der Selbstständigkeit zurückgekommen, weil ich hier viel mehr Leute kenne. Ich glaube nicht, dass der Truck so explodiert wäre wie er es am Anfang ist wenn ich das in Hamburg gemacht hätte – weil mich da keiner kannte. Hier kommen einfach viele Freunde und Bekannte vorbei, die mich supporten und auch noch das Essen geil finden. Deshalb Ruhrgebiet!« Nachdem alles vorbereitet und eingeladen ist gehts mit dem Truck über die A40 von Essen nach Witten, wo heute verkauft wird.

 

Vor Ort wird der Gasherd angeschmissen und der Bacon wird für den Verkauf vorsorglich gebraten. Zwiebeln direkt hinterher, solange das Fett noch heiß ist; die Friteuse heizt vor und langsam entwickelt sich ein markanter Geruch, welcher die Besucher aus der ganzen Umgebung zu sich locken wird. Kurze Zeit später stößt Anika dazu, seine Schwester. Sie ist fester Teil des Snack ,n, Roll Teams und hilft im Verkauf mit. Familie und Freunde sind generell eine wichtige Stütze für Joschka.

»Bestätigt haben mich eigentlich alle, bis auf meine Mutter. [lacht] Die hatte Schiss, dass ich das mache. Ansonsten fanden das alle ,ne geile Idee. Mein Bruder hat mir sehr viel bei der Suche nach dem Truck geholfen. Ich hatte kein Auto, kein Verdienst mehr, da ich einfach so gekündigt hatte. Er hat mich überall hingefahren und sich die Trucks mit mir angeguckt. Meine Mutter hat mir aber trotzdem ,n bisschen Geld geliehen, sodass ich über die Runden komme.«

16 Uhr. Der Verkauf beginnt und das Team legt direkt los. Eine Schlange hat sich bereits vor dem Truck gebildet und Anika nimmt eine Bestellung nach der anderen auf. »Special mit Pommes!« »Im Menü mit Getränk dazu? Blaubeer-Thymian-Dip auf die Pommes?« »Jau, im Menü. Den Dip nicht.« So laufen die Bestellungen die nächsten Stunden meistens ab – wahlweise auch mit ,nem Cheeseburger, Grilled Cheese Sandwich oder einem Veggie Burger. Letzterer bildet zusammen mit den Pommes, dem Grilled Cheese Sandwich oder den Süßkartoffelfritten die wenigen fleischlosen Alternativen.

»Jeder wie er will. Ich hab auch ,n vegetarischen Burger, vegan hab ich jetzt nur Pommes auf der Karte, weil ich find man kann,s auch übertreiben, aber naja… Wenn ich n Catering hab und die sagen, da essen jetzt 5 Leute vegan, dann bereite ich auch vegane Burger zu, is, kein Problem. Aber auf jeden Fall bewusst, nur gute, frische Produkte! Egal ob vegan, vegetarisch oder Fleisch – da mach, ich keine Abstriche.«

Man merkt während der gesamten Verkaufszeit wie viel Support Joschka und sein Truck von den lokalen Stammkunden bekommt. Viele sind schon lange mit dem Koch befreundet und es wird sich über die letzte Woche ausgetauscht. Man trifft sich nicht nur um zu essen – Leute treffen, sich unterhalten… und im Endeffekt doch nur die amerikanischen Frikadellenbrötchen zu feiern. Die Einkäufe vom Morgen waren perfekt kalkuliert: Nach drei Stunden Hochbetrieb sind die Burger ausverkauft.

 

www.snack-n-roll.de

Text und Fotos: Dominik Klimat

 

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