indirekt
rap mit herz, kopf und leidenschaft

Seit wann Rappst du, früher warst du ja schon mal als

Beatboxer unterwegs?

 

Ich rappe schon länger, als ich Tracks mache. Schon als ich mit ca. 11/12 Jahren am beatboxen war, hörte ich Rapmusik. Meistens waren das englische Tracks die ich dann versucht hab im Fantasieenglisch nachzurappen

 

Was hat dich dazu gebracht selber Rap zu machen?

 

Ich glaube als ich in der Oberstufe vom Gymnasium war und schon viele Jahre Rapmusik konsumiert hatte, wurde bei mir der Entschluss gefasst selber Raps zu schreiben. Ich wollte mich einfach selbst ausdrücken und Probleme oder Zweifel die ich hatte einfach niederschreiben. Quasi ganz klassisch den Rap als Ventil nutzen, den Frust von der Seele schreiben und im Leben weiterzukommen.

 

Wie kam es zu dem Namen IndiRekt, gibt es dazu eine Geschichte?

 

Der Name IndiRekt ist quasi das finale Stadium meiner »AKAs«. anfangs nannte ich mich Sepo FX, dann Seposaurus, irgendwann Indi Viduum, dann Indi Fresses… Eine Freundin von mir hatte mir dann mal ein paar Namensvorschläge via Facebook gesendet, nachdem sie gesehen hatte dass ich mein Namen ständig ändere. haha. Darunter waren Abwandlungen mit »Indi«. Indi Srekt, Indi Rektal, Indi Rekt... Ich fand IndiRekt am ansprechendsten für meine Person selbst, da ich immer viel hinterfrage und oft nur indirekt wahrnehme oder auf indirekte Weise betrachte. Außerdem fand ich den Namen und die Buchstabenfolge cool, vorallem, dass es 4×4 Buchstaben sind und sich so eine Symmetrie im Wort ergibt.

 

Was hat dich in den letzten Jahren in der Hiphop Szene im Ruhrpott besonders stark geprägt?

 

Ich habe die Ruhrpott AG leider erst sehr spät kennengelernt.(als Galla schon tot war) da ich selbst 93er Baujahr bin, kann ich mich glücklich schätzen all diese Oldschool-Ruhrpott-Schätze nachträglich kennengelernt zu haben. Die RAG haben mich sehr geprägt besonders Aphroe und Galla.

Fernab vom Ruhrpott Rap ist zu sagen, dass ich sehr viel Deutschrap gediggt habe. Angefangen bei Massive Töne, rüber zu Aggro Berlin bis hin zu Kollegah und Selfmade Records. Damals (in jüngeren Jahren und in der Pubertät) konnte ich jedem dieser Subgenres etwas abgewinnen. Nach und nach beschäftigte ich mich immer mehr mit der Materie und entdeckte die RAG, Retrogott, Chefket, Amewu und diverse Untergrundrapper, die mich später sehr ansprachen und Teil von meinem Alltag wurden. In der Oberstufe auf dem Gymnasium stand es in den Sternen ob ich zum Abi zugelassen werde. Gerade die Tracks von Amewu gaben mir in der 12. Klasse besonders Kraft die Zeit in der Schule durchzustehen und an mich selbst zu glauben. Ich muss der einzige auf der Schule gewesen sein, der sone Musik überhaupt kannte und jeden Tag auf dem Schulweg hörte. Das war für mich immer was Besonderes und ich hatte so meine Schätze als MP3 auf meinem Handy, die mich während des Schulwegs, in den Pausen und auch sonst in meiner Freizeit begleiteten.

 

Was beinhaltet für dich der Begriff  »Real«?

 

Real ist jemand, der authentisch ist, der das was in seinen Texten erzählt auch verkörpert, der nicht irgendwas erzählt damit er cool rüberkommt oder hoch angesehen wird. Eine Person, die bescheiden mit seinem Talent umgehen kann, aber weiß dass sie was draufhat. Realness ist für mich sehr wichtig im Hip Hop. Sämtliche Tracks die ich momentan höre, sind mit Realness verbunden. Zumindest für mich, ich kann einem MC was abgewinnen, wenn er mir etwas von sich preisgibt und erzählt wie er seine Scheiße auf die Reihe bekommt. Son RTL Rap der für mich eher Scripted Reality ist und real wirken soll, mit dem kann ich nichts anfangen. Rapper die sich ein Image geben und in eine Rolle schlüpfen, die sie selbst nicht sind oder der sie nicht einmal ähneln, haben nix mit Realness zu tun. Das muss aber nicht heißen, dass jeder Imagerapper schlecht ist. Letztendlich ist es immernoch ne Geschmackssache... So war ein Sido mit Maske damals für mich (mit 12 Jahren) ein Phänomen was Deutschrap angeht. Dass es jetzt immer mehr Rapper gibt, die sich ne Maske aufsetzen find ich einfallslos und berechenbar.

 

Rap hat ja relativ viele Facetten & Genres wie würdest du dich selbst und deine Musik mit einem Satz einordnen?

 

Echte Mucke mit Herz, Verstand, guten Texten & Seele.

 

Du bist auch Teil des neu entstandenen Krupplyn Kollektives was hat es damit auf sich?

 

Krupplyn ist ein eigetragener Verein aus Dortmunder Hip Hop »Aktivisten« und Umgebung, die alle primär

ein gemeinsames Ziel verfolgen – Musik machen.

Hinzu kommen noch Leute die produzieren, Leute die mischen und mastern, Leute die Fotos machen und Videos drehen, Leute die Jams organisieren, Leute die Merchandise verwalten etc. Alle Kompetenzen, die Dortmund und Umgebung bezüglich der Rapszene aufweisen kann, werden gebündelt und versucht die Kraft des Kollektiv umzusetzen. Ein weiteres Ziel des Vereins ist es außerdem, die Anerkennung und die Unterstützung diverser Projekte, Konzerte & Jams durch die Stadt

Dortmund. Krupplyn hält seine Vereinssitzungen in der Unionstraße ab. Es befindet sich außerdem ein Recordingstudio im Aufbau, in dem Vereinsmitglieder ihre Songs aufnehmen können.

 

Was ist an der Dortmunder Rap Szene so besonders?

 

Das kann ich dir gar nicht so genau sagen, da es Rapkünstler in Dortmund gibt mit denen ich oder Krupplyn gar nichts zu tun hat. Aber was ganz besonders bei unserer Szene hervorsticht, ist die ganze Liebe für die Sache zwischen den Künstlern. Jeder versteht sich miteinander und es gibt sehr selten krassen Beef oder Gewalttaten. Das ist bei Rap ja nicht immer so üblich.

 

Was hat dich damals motiviert selbst den Arsch hochzukriegen und zu Rappen? Was hat dich z.B. gestört bzw. wolltest du was besser machen?

 

Ich wollte mich ausdrücken und meine Gedanken festhalten. Nicht mehr nicht weniger. Ich glaube, dass ich bestimmt auch irgendwie cool wirken wollte oder sowas. Aber in erster Linie hab ich schon immer Rap gehört und konnte auch viele Texte auswendig, sodass ich dann irgendwann von selbst damit angefangen habe.

 

Du bist ja neben dem Rapper noch Sozialarbeiter, hilft dir die Musik bei deiner Arbeit?

 

Ich mach momentan ne Erzieherausbildung. Und ja, Mucke hilft mir schon. Bisher aber nur indirekt. Ich hör auf meinem 45 minütigen Weg nach Witten-Herbede immer Mucke. Es ist schon immer so gewesen, meine Kopfhörer hab ich eigentlich fast immer dabei und hör Musik wenn ich irgendwo hingehe oder hinfahre. Sie ist quasi der Soundtrack für jeden Tag meines Lebens. Ein ständiger Begleiter.

 

Was glaubst du  inwieweit beeinflusst Rap heranwachsende in ihrem Handeln? Meinst du es ist förderlich für Kids aus der Arbeiterklasse in jungen Jahren Interpreten wie Farid Bang oder Haftbefehl als Vorbild zu nehmen?

 

Ich finde es kommt auf das Alter des Kindes an und natürlich auf die sozialen Umstände. Wenn es in einem Problembezirk auf die Förderschule geht, führt selten ein Weg daran vorbei sowas nicht zu hören. Dennoch find ichs dann gerade überhaupt nicht förderlich. Wenns n Kind ist, dass zwischen dem was da gesagt wird und der Realität unterscheiden kann, dann solls dem Kind selbst überlassen sein. Ein Haftbefehl oderso ist ja auch wieder son Marketingprodukt was genau auf solche Kids anspringen soll. Ich hab sowas auch mal gehört, aber zum Glück konnte ich dann noch den »richtigen« Rap nachträglich kennen lernen. Ich habe die Befürchtung, dass die Rapmusik durch ein Farid Band oder Haftbefehl ein stückweit zerstört wird. Als heftiges Beispiel müsste man die Jungs von der Ruhrpott AG oder einen Amewu mal gegenüberstellen. Die vermitteln ein ganz anderes Bild von Rap als der Hafti. Aber so ist das eben heutzutage, die Kids werden beeinflusst. Nicht nur musikalisch, auch visuell- besonders in den Videos. Die Klamotten die Haft trägt, sein eigenes Klamottenlabel, die Verherrlichung von Gewalt und das Vermitteln eines gewalttätigen »Babos« der der Chef von allen ist, ist natürlich reizvoll für die Kids. Sie wollen die ganzen Sachen halt auch. Muss ja zum Glück nicht bei allen so sein, aber ne Gefahr stellts dennoch dar.

 

Im Moment ist ja die politische Situation weltweit sehr angespannt

 was hälst du von politischen Rap im allgemeinen?

 

Kann gut sein, muss aber nicht. Jeder sollte sich sein eigenes Bild bilden. »Blumio - Hey Mr. Nazi« fand ich ganz gut von der Message und dem Video. Ansonsten... Keine Ahnung... zu viel politisch kann ich auch nicht ab.

 

Das ganze Interview findest Du im Printmagazin Ausgabe #1

 

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Interview: Davide A. Bierboms mit IndiRekt

Fotos: Davide A. Bierboms

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